Alles hat immer einen Anfang und vielleicht ein Ende.
Egal, um was es geht, wir können immer fragen: „Und? Wie hat es angefangen?“ Selbst beim Universum halten wir am Urknall fest. Ansonsten würden wir verrückt werden. Unser Verstand braucht zu jedem Ereignis, zu jeder Geschichte einen Anfang. Ich möchte den Jakobsweg gehen, aber selten werde ich gefragt, wie es angefangen hat. Öfters wurde ich jedoch mit der Frage konfrontiert: „Warum willst Du das machen?“
Auf das Warum möchte ich in einem anderen Beitrag eingehen, weil das vielleicht eine der wichtigsten Fragen ist, die aber nicht mit einem Satz geklärt werden kann.

„Alles, was wir sind, ist das Resultat dessen, was wir gedacht haben. Alles beruht auf unseren Gedanken und wird von unseren Gedanken getragen.“
– Buddha
Klingt im ersten Moment etwas übertrieben aber wenn man sich eine Minute Zeit nimmt wird man erkennen, genau so ist es. Ob bewusst oder unbewusst, selbst bevor ich auf’s Klo gehe, ging ein Gedanke voraus.
Das Telefon – Graham Bell (und vor ihm Antonio Meucci) hatten die Vision, dass die menschliche Stimme nicht an den Ort gebunden sein darf, an dem der Körper steht. Der Gedanke war: „Schallwellen müssen in Elektrizität und wieder zurück verwandelt werden können.“
Die Glühbirne – Thomas Edison (und seine Vorgänger) dachten darüber nach, wie man Licht ohne die Gefahr und den Gestank von offenem Feuer erzeugen könnte. Der Gedanke war: „Wir müssen einen Stoff finden, der glüht, ohne zu verbrennen.“
Die Dampfmaschine – James Watt sah die riesigen, ineffizienten Pumpen in den Bergwerken und hatte den Gedanken: „Dampf kann mehr als nur drücken; er kann kontrollierte, kontinuierliche Bewegung erzeugen, wenn wir die Wärme effizienter nutzen.“
Ok, ok … das ist nun ein wenig hochtrabend, wenn ich auf die Frage, wie das bei Dir mit dem Jakobsweg angefangen hat, hinaus will. Ich möchte nur nochmal unterstreichen, dass ein Gedanke der Ursprung von diesem Abenteuer war, und zwar Anfang Mai 2011. Aber wie kam es zu diesem wegweisenden Gedanken?
Ich bin dann mal weg.
Einige Jahre zuvor hat Hans Peter Kerkeling das Buch „Ich bin dann mal weg“ geschrieben. Wenn ich mich recht erinnere, war es 2006, als sein Buch in die Regale kam. Da ich ja nie der schnellste war, habe ich das Hörbuch 2011 gekauft. Ich kann mich nicht daran erinnern, warum. Eigentlich ist das gar nicht mein Thema. Wandern ist nicht meine Leidenschaft und ich bemühe mich immer, Hilfsmittel zu verwenden, um Anstrengungen zu minimieren oder gar zu vermeiden.
Bereits im ersten Kapitel hat Hape (Hans Peter) eindrucksvoll beschrieben, wie er die erste Etappe, von Saint-Jean-Pied-de-Port, in Südfrankreich über die Pyrenäen nach Roncesvalles in Spanien gemeistert hat. Er hat die Strapazen bergauf und die noch stärkeren Qualen bergab so beschrieben, dass man sie fast schon selbst spüren könnte.
Nun ist es aber so, dass ich eher auf der wehleidigen Seite zuhause bin und ich neben Anstrengungen auch Schmerzen lieber vermeiden möchte. Noch bevor Hape in Roncesvalles angekommen ist, habe ich das Hörbuch angehalten und laut in meinem Kopf gedacht: „Das will ich auch machen“. Warum? Das weiß ich bis heute nicht.
Ja, das war vor 15 Jahren. Hape Kerkeling lieferte vor 20 Jahren mit seinem Buch den entscheidenden Flügelschlag der Chaos-Theorie. Doch anstatt sofort loszustürmen, legte mein persönliches System erst einmal eine elegante, 15-jährige Denkpause ein. Dass dieses Hörbuch anderthalb Jahrzehnte in mir gären musste, bevor es jetzt endlich in echten Wanderschuhen mündet, beweist: Mein (unser) Leben ist kein langweiliger Zeitstrahl, sondern ein absolut unberechenbares System. Die Variablen mussten sich eben erst über 15 Jahre sortieren, bis der Schmetterlingseffekt von damals heute endlich den Tornado in meinen Beinen auslöst.
Man kann nicht Gras wachsen hören, und wenn man daran zieht, wächst es auch nicht schneller. — Sprichwort
Das Universum gibt dir alles, was Du anfragst. Allerdings ist das Timing manchmal etwas anders als wir uns das vorstellen. Das Universum hat anscheinend keine Uhr. 15 Jahre sind ja nun nicht mit dem Wort „sofort“ beschreibbar. Warum? Keine Ahnung, aber es wird wohl seinen Sinn haben.
In 47 Tagen soll es nun losgehen. Und angefangen hat alles mit einem Gedanken.



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